Die Salzburger Almwirtschaft steht an einem Wendepunkt. Steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und häufigere Extremwetterereignisse verändern die Bedingungen auf den Almen spürbar und machen Anpassung notwendig. Unter dem Titel „Almwirtschaft im Wandel: Warum lohnt sich Almauftrieb?" lud die KLAR! Pinzgau gemeinsam mit dem Salzburger Alm- und Bergbauernverein sowie dem SIR-Programm „Klima Wandel Anpassung Salzburg" am 9. April 2026 zum Infoabend in den Felberturm nach Mittersill. Zahlreiche Landwirt:innen sowie Vertreter:innen aus Politik und Landwirtschaft folgten der Einladung.
Klimawandel trifft die Alm
Sebastian Weber vom Programm „Klima Wandel Anpassung Salzburg" eröffnete den Abend mit einem Überblick über die klimatischen Veränderungen, die Salzburgs Almen bereits heute prägen. Längere Vegetationsperioden, Trockenphasen, Starkregenereignisse und eine veränderte Wasserverfügbarkeit setzen die Weideflächen zunehmend unter Druck. Dazu kommt eine oft unterschätzte Folge der Erderwärmung: Die phänologischen Jahreszeiten verschieben sich. Der Winter endet heute rund zwei bis drei Wochen früher als noch in den 1970er-Jahren – das Graswachstum auf den Almen setzt entsprechend früher ein. Wer mit dem Auftrieb am traditionellen Termin festhält, findet bereits deutlich höhere Weidebestände vor. Das klingt zunächst nach einem Vorteil – doch ein Futterüberschuss im Frühjahr führt unweigerlich zu Futtermangel im Herbst.
Das magische Dreieck der Almbewirtschaftung
Wie eine zeitgemäße, standortangepasste Bewirtschaftung konkret aussehen kann, zeigte Siegfried Steinberger vom Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Wer heute noch ohne gezieltes Weidemanagement wirtschaftet, verliert Schritt für Schritt wertvolle Flächen: Teilbereiche werden nicht mehr ausreichend abgegrast und vergrasen, Borstgras breitet sich aus, Zwergsträucher und schließlich Gehölze wie Latschen, Grünerlen und Fichten drängen in die Weiden ein. Wertvolle Kräuter, Untergräser und Blütenpflanzen – und damit die Biodiversität – gehen verloren.
Die Antwort liegt im „magischen Dreieck der Almbewirtschaftung", das aus drei zentralen Stellschrauben besteht:
- Rechtzeitiger Auftriebszeitpunkt – angepasst an den tatsächlichen Vegetationsbeginn, nicht an historische Fixtermine
- Dem Futteraufwuchs angepasster Viehbesatz – weder Über- noch Unternutzung der Flächen
- Gelenkte Weideführung – gezielter Wechsel der Weideflächen für eine gleichmäßige Beweidung
Wer an diesen drei Punkten aktiv arbeitet, schützt nicht nur seine Almflächen, sondern leistet gleichzeitig einen wesentlichen Beitrag zum Tierwohl und zur Widerstandsfähigkeit der Alm gegenüber dem Klimawandel.
Förderungen und die Almplatzbörse
Petra Fürstauer-Reiter vom Salzburger Alm- und Bergbauernverein informierte über die bestehenden Fördermöglichkeiten für den Almauftrieb und stellte die Almplatzbörse vor: eine Onlineplattform, über die Landwirt:innen in Salzburg unkompliziert Almtiere, Almplätze und Stallplätze suchen oder anbieten können. Die Plattform vernetzt Betriebe mit freien Almflächen mit jenen, die Tiere auftreiben möchten und hilft so, brachliegende Flächen wieder in Wert zu setzen und die regionale Zusammenarbeit zu stärken.
Großes Interesse, klarer Auftrag
Die lebhafte Diskussion am Ende des Abends zeigte eindrücklich: Das Interesse an Klimawandelanpassung und nachhaltiger Almwirtschaft ist groß. Die Salzburger Almwirtschaft steht vor erheblichen Herausforderungen, verfügt aber zugleich über enormes Potenzial. Das Projekt „Almwirtschaft im Wandel" setzt genau hier an: Es fördert tiergerechte und klimafitte Alm- und Weideprojekte, stärkt die Anpassungsfähigkeit bäuerlicher Betriebe und unterstützt den Aufbau nachhaltiger Strukturen – zum Nutzen der Gemeinden innerhalb und außerhalb der Almregionen.
